Stark durch Krisen

Von der Kunst, nicht den Kopf zu verlieren

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  • ISBN: 978-3430210294
  • Mein Rating: 5/10

Worum geht es?

In Stark durch Krisen beschäftigt sich der Autor mit dem Umgang mit Krisen. Als Grundlage dienen ihm dabei seine Erfahrungen aufgrund seiner Entführung im Jahr 2000, als er, mit 20 anderen Geiseln, darunter seinen Eltern, auf eine philippinische Insel verschleppt und dort während 140 Tagen festgehalten wurde.

Mein Eindruck

Mein Eindruck fällt zwiespältig aus. Einerseits fand ich die Schilderungen aus seiner Zeit als Geisel interessant. Andererseits machen ihn seine Erfahrungen nicht automatisch zu einem Experten der Krisenbewältigung und von daher fallen seine Ratschläge eher oberflächlich aus. Insbesondere wenn der Autor in den "man"-Modus wechselt, fühlt es sich an, als würde er einfach das wiedergeben, was er andernorts gelesen resp. gehört hat.

Meine Notizen

Einblick

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Stark durch Krisen gehen

Warum gerade ich?

Alle Türen standen mir offen, doch ich hatte keine Ahnung, durch welche Tür ich gehen sollte. Ich war jung und ungebunden, und ich fühlte mich orientierungslos. Dabei war ich doch eben erst an meinem Ziel angekommen – beruflich erfolgreich im Ausland.

Alle Definitionen [von Resilienz] drehen sich in ihrem Kern um vier wesentliche Punkte zur Bewältigung von Belastungen (z.B. Stress): Umgang mit Stress, Reduktion von Stress, Erholung nach Stress, ergänzt um "Wachstum" bzw. Entwicklung nach Stress. Die ersten drei Faktoren helfen, um stark durch Krisen zu gehen, also während einer akuten Krise psychisch gesund zu bleiben. Der vierte Faktor ist hilfreich, um stark durch Krisen zu werden, also an ihnen zu wachsen und für kommende Krisen besser gerüstet zu sein.

Um eine Krise meistern zu können, muss man sie zuerst als solche akzeptieren. Gerade bei Schicksalsschlägen ist es absolut menschlich, mit der Situation zu hadern und sich zu fragen: "Warum gerade ich?" Was geschehen ist, lässt sich nicht zurückdrehen. Daher ist es hilfreich, so schnell wie möglich die neuen Gegebenheiten anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Alles wird gut

[Optimismus] gibt Kraft und hilft in schwierigen Zeiten, nicht den Glauben an eine positive Zukunft zu verlieren.

[...] Katastrophieren, der Strudel negativer Gedanken, ist der natürliche Feind des Optimismus. Wenn Gedanken um ein Horrorszenario zu kreisen beginnen, dann verliert man das Wichtigste überhaupt: die Hoffnung.

Der Schlüssel zum Erfolg ist der Fokus auf die Dinge, die wir wollen – nicht auf die Dinge, die wir fürchten.

Brian Tracy

[...] von wenigen Ausnahmen abgesehen, habe ich nie die Zuversicht verloren, dass es am Ende gut ausgehen würde. "Alles wird gut", lautete mein Mantra. Besonders gut fühlte ich dies, wenn ich mir die Zeit nach meiner Freilassung ausmalte.

Optimistische Menschen vertrauen in schwierigen Zeiten darauf, dass sich ihre Situation bessern wird. Sie richten ihren Fokus auf die guten Seiten und auf Dinge, die funktionieren. Sie gehen von einem positiven Ergebnis ihrer eigenen Handlungen aus und zeigen daher eine grössere Handlungs- und Durchhaltebereitschaft.

Nur nicht den Kopf verlieren!

Solange die Gefahr nicht vorüber ist, sollte man sie besser ernst nehmen.

Je aussichtsloser und bedrohlicher eine Situation erscheint, desto mehr Angst und Unsicherheit empfindet ein Mensch. Je grösser die Verzweiflung, desto verlockender die Versuchung, sich an Illusionen zu klammern.

In Krisen und unsicheren Zeiten besteht die Kunst darin, nicht den Kopf zu verlieren. Also weder in Angst noch in Euphorie zu verfallen, sondern realistisch und zugleich optimistisch zu bleiben beziehungsweise an ein gutes Ende zu glauben und sich zugleich auf einen langen, harten Weg vorzubereiten.

Enttäuschte Erwartungen sind ein grosses Risiko positiven Denkens. [...] Noch schwerer wiegt allerdings, wenn man vor lauter Optimismus die realen Risiken ausblendet, statt sich auf sie einzustellen.

In Krisen hilft Helfen!

Die Kunst, nicht den Kopf zu verlieren, besteht unter anderem darin, sich seiner eigenen Handlungsoptionen zur Bewältigung der Krise bewusst zu werden. Indem man etwas tut, handelt, stellt sich das positiv bestärkende Gefühl ein, selbst etwas bewirken zu können. Dabei schöpft man aus den eigenen Ressourcen, um Lösungen zu finden, die die eigene Lage verbessern können. [...] Wenn man aktiv wird, stösst man einen Positivkreislauf an.

In Krisen hilft Helfen. Wer anderen hilft, hilft auch sich selbst.

Helfen zum Preis der Selbstaufgabe oder für den Heldentod bringt niemandem etwas. Anderen kann man nur helfen, wenn man zuerst sich selbst geholfen hat.

Das Gefühl, etwas für das eigene Schicksal tun zu können, verleiht gerade in Krisen grosse Stärke. Es bewahrt uns davor, in die Opferrolle und damit in das Gefühl der Ohnmacht abzurutschen.

Never walk alone!

Im Endeffekt lässt sich sagen, dass das Leben als Einzelkämpfer manchmal unkomplizierter ist, das Überleben allerdings in der Gemeinschaft leichter.

Bloss nicht hängen lassen!

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Stark durch Krisen werden

Zurück in die Komfortzone

Die Rolle als öffentliche Person war unfreiwillig, darin fand ich mich genauso unvermittelt und unvorbereitet wieder, wie ich zwanzig Wochen zuvor im Dschungel gelandet war.

Nach einer Krise tut es gut, erst einmal in der Komfortzone Energie und Zuversicht aufzutanken, also Dinge zu tun, die einem Spass machen und Kraft geben. Aber [...] man sollte nicht die Chance verpassen, sich eingehend mit seinen Erfahrungen auseinanderzusetzen und aus ihnen zu lernen.

Das Krisenkarussell dreht sich weiter

In schwierigen Lagen, wie zum Beispiel einem belastenden Job, gibt es im Wesentlichen drei Handlungsoptionen: Leave it, love it or change it!

Stehaufmännchen

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Der Wendepunkt

[...] es [gibt] zwei Arten von Wendepunkten beziehungsweise Auslösern: zum einen die magischen Momente, in denen es "klick" macht und die Chance geboten wird, das eigene Leben zum Besseren zu wenden, und zum anderen die Krisen, die einen zu Veränderungen zwingen, die man freiwillig nicht wagen würde.

Wachsen an der Krise - Schritt für Schritt

Krisen habe ich jahrelang aus einer Perspektive betrachtet, die wenig hilfreich war. Für mich waren sie lediglich Hürden, die mir im Weg standen und mich ausbremsten. [...] Das Hindernis überwinden und dann schnell weiter, lautete mein Motto. Heute betrachte ich Krisen nicht mehr als Hürden, sondern als Stufen. Damit wird das Leben zu einem Treppensteigen. Mit jeder überwundenen Krise komme ich eine Stufe höher, sofern ich die Entwicklungschance nutze.

Mit diesen drei Schritten können sie aus dem Krisenkarussell aussteigen und ihr Leben zum Besseren wenden:

  1. Krise (an)erkennen: Um Verluste trauern, statt sie zu verleugnen oder schönzureden. Handlungsbedarf anerkennen: So wie bisher geht es nicht weiter.
  2. Chancen suchen: Aus den Erfahrungen lernen, Veränderungsbedarf und Möglichkeiten für persönliches Wachstum erkennen.
  3. Veränderungen wagen: Nicht in alte Muster verfallen, sondern die Kraft der Krise nutzen und mutig neue Wege gehen.

Krisen gehören zum Leben. Die Frage ist nicht, ob sie kommen, sondern wann.

Der Lebenserfahrungsschatz

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Stark durch Krisen im Team

Wie aus einer Gruppe ein Team wird

Die Kunst, nicht den Kopf zu verlieren, beinhaltet für Teams, bewusst mit Konflikten umzugehen und sie als notwendigen Prozess der Gruppenentwicklung zu begreifen.

Erfolgsfaktoren eines agilen Teams in der VUCA-Welt

Wenn das eigene Leben akut bedroht ist, entsteht neben der Angst auch etwas sehr Wertvolles: Klarheit. Die Alltagsprobleme treten zurück hinter ein grosses Ziel: Überleben.

Gegenüber modernen Organisationen hatten wir als Geiselgruppe einen entscheidenden Vorteil: eine gemeinsame Vision. Niemand musste erst motiviert oder überzeugt werden.

Die unterschiedlichen Charaktere und Kompetenzen innerhalb der Gruppe waren Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite ist die viel beschworene Diversität ein grosses Plus, vor allem, wenn es darum geht, dezentral und selbstorganisiert auf schnelle Veränderungen unterschiedlichster Art reagieren zu müssen. Dafür braucht es ein interdisziplinäres Team mit allen benötigten Kompetenzen, um die komplexen Herausforderungen meistern zu können. Auf der anderen Seite entstehen in einer entsprechend heterogenen Gruppe zwangsläufig mehr Konflikte und Missverständnisse als in einer homogenen Gruppe [...].

Positives Denken kann tödlich sein - auch im Business

[...] Vorsicht mit Optimismus in unsicheren Zeiten! Es ist ein zweischneidiges Schwert. Während der Glaube an ein gutes Ende Kraft gibt, kann der Glaube an ein schnelles Ende die nötige Kraft für ein langes Durchhalten schwächen.

Ausblick

Krisen zwingen uns nicht nur zur Veränderung. Sie erleichtern uns, Veränderung zu wagen. Das Leben ist ohnehin schon auf den Kopf gestellt.